Die Veitskapelle von Hofstetten

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Die Vituskapelle

Die Vituskapelle, in Hofstetten auch "Veitskapelle" genannt, befindet sich nordöstlich des Dorfes, auf einer Anhöhe, am Waldrand gelegen. Sie steht an der Stelle des bereits im 12. Jahrhundert genannten Ortes Wattenhofen, der seit Jahrhunderten wüst ist. Dort errichtete man 1743 eine Einsiedelei mit Kirche. Diese wurde im frühen 19. Jahrhundert abgebrochen und 1850 durch die heutige bescheidene Kapelle ersetzt.

Zur Ausstattung der Kapelle (im Volksmund "Veitskapelle") gehört eine originelle spätgotische Skulptur des hl. Veit im Ölkessel aus der Zeit um 1500. Das Eintauchen in siedendes Öl bildet das Martyrium des römischen Heiligen.

Hinter der Kapelle befindet sich eine Streuobstwiese, die vom örtlichen Obst-  und Gartenbauverein gepflegt wird. Alle Jahre im Herbst wird von den "Erstklässlern" der Grundschule Hitzhofen/Böhmfeld ein neuer Obstbaum gepflanzt. So entstand eine Obstplantage aus heimischen Obstbäumen.

Unmittelbar vor der Kapelle befindet sich ein Biotop. Ein Wassertümpel, der auf einer Anhöhe liegt, was auf eine Quelle schließen lässt. Er dient zuweilen einigen Wildenten als Brutstätte, wobei auch andere heimische Vögel hier nisten. Der kleine Weiher ist im Besitz der Gemeinde und ist an Privatpersonen verpachtet. Das Betreten der Anlage ist nicht gestattet. "Bootfahren" und "Baden" im Sommer oder im Winter gar "Schlittschuhlaufen" sind verboten.

Blickt man von der Vituskapelle gegen Böhmfeld, so kann man in den Wintermonaten im Tal unsere Schlittenbahn erkennen. Dieser beliebt Hang im "Bauerngrund" ist bestens geeignet für jung und alt. Eine rasante Schlittenfahrt zu unternehmen oder die ersten Obungen mit den Skiern auszuprobieren, ist vor allem bei der jungen Generation beliebt. Der "Berg" wird vom örtlichen Landschafts? und Gartenbauverein gepflegt.

Weiterhin noch erwähnenswert ist eine "Wegekapelle" (Ohne Bild - um 1700 erbaut), die mitten im Ort steht. Die Kapelle befindet sich am Ende der Schloss?Straße und ist im Besitz der Familie Mogl (Schloss?Straße 27). Eine lebensgroße Holzfigur der schmerzhaften Muttergottes ziert das Innere der kleinen Kapelle.

Beide Kapellen sind neben vielen "Marterln" und Wegekreuze (z.B. das "Kipferlerkreuz" am Ende des Dorfes Richtung Pfünz links oder das Marterl am Baumfelder Weg) Juwelen unserer Heimat und nicht wegzudenken. Die Zeugen unserer Geschichte sind beachtenswert, sie zu pflegen ist unsere Aufgabe.

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Nach dem Ende des 2. Weltkrieges hielt sich im Dachboden der Kapelle ein flüchtiger russischer Kriegsgefangener versteckt. Bei der Renovierung im Jahr 1990 fand man im Gebälk eine Art "Kalender" geritzt. Hieraus geht hervor, dass der Russe von Ende Mai 1945 bis zum 08. September 1945, also 127 Tage, auf dem Kapellendachboden gelebt hat. Sein Name war Nicola Klütscherew. Er stammte aus dem Landkreis "Tulskoy", aus der Stadt "Odoe". Auf dem Dachboden befanden sich neben vielen Uniformstofffetzen, Lederresten, alten Stiefeln und Essensresten (abgenagte Maiskolben) eine kleine Kücheneinrichtung mit Blechbüchsen verschiedener Größen, dazu ein selbstgefertigter Deckel mit Griff aus Stoff, ein Kochlöffel aus Holz und eine Ablage mit mehreren Fächern aus Blechdeckeln mit Drähten zusammengebaut. Gekocht hat der Flüchtige auf einer Ansammlung von kleinen Mauersteinen, die er aus dem Giebel herausgebrochen hatte. Als Brennmaterial dienten sicher dünne Äste oder Holzkohlen. Die Feuerstelle, mit viel Asche, ist gut erhalten.

russich notiz

In einer Art "Abschiedsbrief", geschnitzt in die Nordpfette der Veitskapelle, "schreibt" er: "Gelebt 127 Tage, Samstag 8. IX 1945 
Auf Wiedersehen mein kleines Wohneck
Gehe Richtung Westen, langer Weg, man bleibt.
Klütscherew 

(von Hans Buchberger und Manfred Bauer 2008)


Neue Textfassung von Hans Buchberger (18.7.2017):

Die Veitskapelle, ein liebenswertes Andenken an die schon lange  vor dem 30-Jährigen Krieg abgegangene Ortschaft Wattenhofen, liegt zehn Minuten  östlich von Hofstetten. Das neue Baugebiet "Zur Veitskapelle" weist den Weg dorthin. Orte mit der Endung  "hofen" gehen in ihrer Gründung bis ins 8. Jahrhundert zurück. Wattenhofen, "Zu den Höfen des Wato oder Wado" , könnte eine Deutung des Namens  der Ansiedlung  sein.

Urkundlich erwähnt ist der Ort mit der Weihe der Kirche durch Bischof Gundekar II. zwischen 1058 und 1060. Eine weitere Kirchweih ist zwischen 1182 u. 1195 durch Bischof Otto geschichtlich nachgewiesen, der viele Kirchen in unserem Bistum geweiht hat; auch die in Hofstetten, Hitzhofen und Lippertshofen.  Wie aus einer Quelle berichtet wird, ist der Ort Wattenhofen lange vor dem  30-jährigen Krieg  abgegangen. Was blieb ist der Friedhof (heutige Streuobstwiese)  mit der Vituskapelle, die aber mit dem Aussehen der jetzigen Veitskapelle nicht identisch ist.
 Mitte des 17. Jahrhunderts  wurde auf Wunsch der Gemeinde neben dieser Kapelle eine Eremitage erbaut, in der zeitweise bis zu drei Einsiedler lebten, jeder in seinem "separierten Stüble" .  Ihre Aufgabe war, die Kapelle und den Friedhof zu bewachen und zu pflegen, sowie den Pfarrer von Hofstetten am Markus- und Veitstag zu unterstützen. Wie es heißt, kamen an diesen Tagen die Leute "prozessionaliter" aus allen umliegenden Ortschaften zur Veitskapelle. Auch wurden dort das Jahr über Messen gefeiert.

Die Säkularisation machte 1803 der Kapelle und der Klause ein Ende. Nachdem im selben Jahr  ein Dieb durch die verfallene Klause in die Kapelle eingedrungen war und das Kapellenglöcklein  gestohlen hatte, wurden die Kapelle und Einsiedelei  auf Befehl der großherzoglich toskanischen Regierung "demoliert". Den Eigentümer hatte die Gemeinde mit 80 Gulden zu entschädigen.

1850 wurde die Kapelle wieder aufgebaut, so wie wir sie heute kennen. Die Hofstettener wollten ihre Veitskapelle wieder haben.  Traditionsgemäß fanden die Prozessionen am Markus- und Veitstag statt. Die Kapelle stand bis in die 90-ziger Jahre für stille Beter immer offen. Bei plötzlich aufkommenden Gewittern suchten die Leute, die im Sommer weitab vom Dorf auf dem Feld arbeiteten, dort Unterschlupf.

Am Ende des 2. Weltkrieges im Mai 1945 erlangte die Kapelle spekulatives Interesse. Ein russischer Kriegsgefangener, der sich von seinen mitgefangenen Landsleuten absetzte, hat sich bis September unter dem niedrigen Dachraum versteckt und entsprechend wohnlich eingerichtet.
Neben selbstgefertigten Küchengeräten aus Blechbüchsen  hinterließ er mehrere schriftliche Aufzeichnungen wie ein kleines Tagebuch, einen Kalender und einen kurzen Abschiedsbrief.

aufzGelebt 127 Tage, Samstag 8. IX 1945                                                 
Auf Wiedersehen mein kleines Wohneck
Gehe Richtung Westen, langer Weg, man bleibt.
Klütscherew 

Die Kapelle wurde in den neunziger Jahren grundsaniert und ist zusammen mit der Veitslache und der schönen Streuobstwiese wie in ihrer langen Vergangenheit  nicht nur für die Hofstettener ein geliebter  Platz in der Flur.

Quellen:
Franz X. Buchner, Das Bistum Eichstätt
Vitus Priefer, Visitationsbericht 1602
Michael Bacherler, Siedlungsnamen Bistum Eichstätt

 

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